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Mit dem „Roten Baron“ nach Kloster Andechs

September 02, 2020 Von: Redaktion Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Michael Eifler mit seinem alten Dieselross. Foto: Privat

Alles begann mit dem spontanen Kauf eines Güldner ABL 10; 24 PS; Baujahr 59, der sich in einem eher verlebten Zustand befand. „Eigentlich brauche ich keinen Traktor, aber seit heute Morgen will ich einen haben“, sagte sich eines Tages der Windener Michael Eifler. Lange suchen musste er nicht, denn auf einem Feld etwas außerhalb des Dorfes stand er, der Güldner. Eingewachsen in Dornen und Gestrüpp, fast wie das Dornröschen-Schloss. Da man sich im Dorf kennt, war die Sache schnell erledigt, und der Güldner wechselte den Besitzer. Da stand der nun: verwittert, verrostet, vergessen, ein trauriger Anblick. 

Die Restaurierung lief über fünf Monate und brachte das alte Dieselross wieder zu neuem Glanz. Der einst grüne Schlepper wurde nun rot. Da Michael Eifler nicht „irgendeinen“ Traktor haben wollte, hat der ABL einige persönliche Noten des Neubesitzers erhalten. So thront beispielsweise auf der Haube ein roter Doppeldecker, der dem Güldner seinen Namen gibt und dem „Roten Baron“ den speziellen Look verleiht.

Ab jetzt machte Michael die Gegend mit seinem Baron unsicher. Ob nach Nassau zum Kartoffeln kaufen oder einfach nur zum Kaffee trinken, Wälder und Feldwege erkunden und durchs Dorf knattern. Aber irgendwie, so sagte er zu sich, war es das auf Dauer nicht, hier musste es doch noch mehr geben, dachte sich der stolze Traktorbesitzer. Seinen Aktionsradius konnte Michael Eifler aber nur erweitern, wenn er eine Unterkunft dabei hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, ein Wohnwagen Marke Burggraf (Bj. 1980) wechselte den Besitzer. Klein ist er, aber es ist alles drin, was man braucht, wenn man auf Reisen geht. 

Bei einem seiner Männerabende mit Schwager Oli wurde bei einem Andechs-Weizen das Ziel bestimmt: Kloster Andechs am Ammersee bei München sollte es werden. Die Anreise soll über die westliche Route erfolgen, die Rückkehr in die Heimat über die östliche Route. Und: Gefahren werden sollte ausschließlich nur auf Landstraßen, durch Dörfer und über Feldwege. Viel vorbereiten mussten der Windener Traktorpilot nicht, Bier, Ravioli, Dosensuppe und eine Flasche „Laphroaig 10“, ein schottischer, rauchiger und verdammt torfiger Whiskey, kamen mit an Bord.

Die Reise begann. Die ersten Tage waren gewöhnungsbedürftig, mit den nur 15 km/h musste der Windener erst einmal klarkommen. Irgendwann spielte die Geschwindigkeit aber nur noch untergeordnete Rolle, denn Michael Eifler gewann ein Auge für die Umgebung, und die Entschleunigung begann zu wirken. „Es ist kein Problem, acht Stunden auf dem Bock zu sitzen, man sieht so viel was einem sonst gar nicht auffällt“, sagt Michael Eifler. Die Reise wurde angenehm. „Ich fahre einfach, bis ich keine Lust mehr habe“, erzählt er. Abends kehrte er meist irgendwo ein und ließ es sich bei Bier und guter Küche gut gehen. Auch die Nächte im Burggraf waren unerwartet gut.

Die tägliche „Berichterstattung“ via WhatsApp-Status wurde in Winden mittlerweile bereits erwartet. Jeden Abend Punkt 19.30 Uhr saßen Freunde, Familie und Bekannte vor dem Handy und warteten auf neue Bilder des Reisenden. Das Interesse war unerwartet hoch – und genau das macht dem Güldner-Piloten natürlich noch mehr Spaß.

Fast überall wurde der Traktor-Reisende mehr als freundlich empfangen. Ihm wurde zugewinkt, und die Kinder freuten sich über das urige Gespann, das dank eines quitsch-orangenen Sonnenschirms über dem Fahrer sofort ins Auge stach. „Wenn ich für jedes Lächeln einen Euro bekommen hätte, dann, naja dann hätte ich halt verdammt viele Euros“, grinst Michael.

Und was waren Michael Eiflers persönlichen Highlights?

Seine knappe Antwort: Alles. „Die gesamte Reise war eine Fahrt voller Überraschungen. Hinter jeder Kurve wartet etwas Neues. Ein begeisterter Bauer, der einem mit seinem Hightech Traktor mit aufs riesige  Kartoffelfeld nimmt, ein Reisebus-Fahrer, der einen auf den „besten“ Parkplatz lotst, die örtliche Presse, die sich freut, einen kleinen Bericht zu schreiben, Jugendliche, die unbedingt ein Foto mit dem Roten Baron und ihrem Mofa haben wollen, und Kinder, die auf dem Trecker rumklettern.“ Michael Eifler wurde auch häufiger gefragt, warum er so etwas „Verrücktes“ eigentlich macht. Dabei merkten die Fragesteller schon oft, dass es eigentlich auch ihr Traum wäre. Michael Eifler sagt denn auch klar: „Ich habe keinen Tag bereut!“  

Am Kloster Andechs angekommen, stellte Michael Eifler recht schnell fest, dass er hier nicht lange bleiben muss. Ein Nachmittag mit Essen und Trinken sowie die Nacht auf dem riesigen, staubigen Parkplatz reichten aus. Die Heimreise begann. Unterhalb von München ging es zur südlichsten Spitze in Bad Tölz und dann über die östliche Route in Richtung Westerwald. Die Heimreise gestaltet sich genau so angenehm wie der Hinweg. Allerdings fuhr Michael Eifler nun etwas länger am Tag, da die Heimat rief. Zurück im heimischen Winden warteten am ersten Haus im Dorf bereits Familie und Freunde, um den Reisenden unter Jubel zu empfangen. Besonders dankt Eifler Olaf und Tanja.

Sein Fazit lautet: „Deutschland ist verdammt schön, und in jede Richtung eine Reise wert. Abseits der großen Städte tut sich hinter jeder Kurve ein neues Idyll auf und lädt zum Verweilen ein.“ Im Übrigen haben der alte Güldner, der Burggraf und auch der alte Fahrer die Reise pannenfrei überstanden. „Mir hat es so gut gefallen, dass ich nächstes Jahr wieder los will“, sagt Eifler. Und wo geht es diesmal hin? Seine Antwort: „Schottland! Ich muss Whiskey kaufen.“

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