Solarpark Winden: Aus einer Kalamitätsfläche wird ein Zukunftsprojekt

Große Resonanz, zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft und vor allem ein Projekt mit einer außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte: Beim Tag der offenen Tür im Solarpark „Vor dem Lohwald“ wurde deutlich, welchen Weg die Ortsgemeinde Winden in den vergangenen fünf Jahren zurückgelegt hat. Ortsbürgermeister Gebhard Linscheid begrüßte unter anderem Landtagspräsident Matthias Lammert, Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten, die frühere Umweltministerin und heutige Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Katrin Eder, Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser sowie zahlreiche weitere Mandatsträger und Vertreter der Projektpartner. Im Mittelpunkt stand eine Photovoltaikanlage, die inzwischen eine Leistung von 6,2 Megawatt erreicht und jährlich rund 6,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen soll. Damit können rechnerisch etwa 2.000 Haushalte versorgt werden.

Linscheid erinnerte in seiner Ansprache daran, dass am Anfang des Projektes keineswegs eine freie Fläche für einen Solarpark gestanden habe. Trockenheit, Windwurf und Borkenkäfer hatten den früheren Wald massiv geschädigt. Aus dieser Situation entstand 2021 die Überlegung, die Kalamitätsfläche oberhalb der Kindertagesstätte zeitweise für erneuerbare Energie zu nutzen und zugleich eine neue wirtschaftliche Perspektive für die Ortsgemeinde zu schaffen. Ursprünglich war eine wesentlich kleinere Anlage mit rund 2,6 Megawatt vorgesehen. Im Verlauf der Planungen entwickelte sich daraus der heutige Solarpark mit 6,2 Megawatt Leistung.
Der Weg dorthin verlief keineswegs geradlinig. Vor allem die geplante Nutzung einer rechtlich weiterhin als Wald geltenden Fläche führte zu erheblichen Diskussionen. Photovoltaikanlagen in Waldgebieten wurden auch auf Landesebene kontrovers beraten. Dabei ging es um die Frage, wie der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Schutz des Waldes vereinbart werden kann. Aus dieser Diskussion entstanden klare Rahmenbedingungen: Intakte Waldflächen sollen nicht für Solarparks in Anspruch genommen werden. In Betracht kommen insbesondere geeignete Kalamitätsflächen. Die Flächen sollen in räumlichem Zusammenhang mit Siedlungsbereichen liegen. Zudem ist die Nutzung zeitlich begrenzt. Die Fläche in Winden bleibt Waldfläche und nach spätestens 30 Jahren muss die Photovoltaikanlage zurückgebaut werden, sodass dort wieder Wald entstehen kann.

Linscheid erinnerte dabei auch an einen persönlichen Moment, der für das Projekt eine entscheidende Bedeutung bekommen habe. Nachdem Forstamt und Kreisverwaltung dem Vorhaben zunächst kritisch gegenüberstanden, sei es seine Frau Rita gewesen, die vorgeschlagen habe, unmittelbar Kontakt mit dem Umweltministerium in Mainz aufzunehmen. Sie griff selbst zum Telefon. Mit Lukas Mock und der damaligen Umweltministerin Katrin Eder habe die Ortsgemeinde anschließend Ansprechpartner gefunden, die bereit gewesen seien, das Windener Anliegen intensiv zu prüfen und nach einer rechtlich tragfähigen Lösung zu suchen. Für diese Unterstützung dankte Linscheid sowohl seiner Frau als auch Mock und Eder ausdrücklich.
Katrin Eder hob in ihrer Rede besonders die Bedeutung einer regionalen Versorgung mit erneuerbarem Strom hervor. Strom, der vor Ort erzeugt werde, stärke nicht nur die Energiewende und die Versorgungssicherheit, sondern auch die Unabhängigkeit Deutschlands von Energieimporten aus politisch problematischen Staaten. Ziel müsse es sein, solche Abhängigkeiten deutlich zu reduzieren und im besten Fall ganz zu überwinden. Gerade vor diesem Hintergrund seien regionale Photovoltaikanlagen wie in Winden nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch von strategischer Bedeutung. Sie machten deutlich, dass Energieversorgung zunehmend dezentral, regional und in eigener Verantwortung organisiert werden könne.

Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius brachte den Interessenausgleich zwischen Energiewende und Waldschutz in ihrem Beitrag auf den Punkt: „Der Solarpark in Winden ist ein Beispiel für einen gelungenen Interessensausgleich: der Menschen vor Ort, dem Klimaschutz, der Energiewende und dem Erhalt der vielfältigen Leistungen des Waldes durch die Rahmenbedingungen, die die Forstleute für Solarparks wie diesen geschaffen haben.“ Damit werde deutlich, dass es bei dem Windener Projekt nicht um die Entscheidung „Wald oder Energiewende“ gegangen sei, sondern darum, beide Interessen miteinander zu verbinden.
Auch Landtagspräsident Matthias Lammert würdigte das in Winden entstandene Projekt und die kommunale Initiative hinter seiner Umsetzung. Er machte deutlich, welche Bedeutung es habe, wenn Gemeinden Zukunftsaufgaben selbst aufgreifen, Verantwortung übernehmen und Projekte trotz langwieriger Verfahren konsequent weiterverfolgen. Gerade die Entwicklung des Solarparks zeige, dass kommunales Engagement, politische Unterstützung und verlässliche Partner notwendig seien, damit aus einer Idee schließlich ein konkretes Ergebnis werde.
Verbandsbürgermeister Uwe Bruchhäuser hob insbesondere die enge und dauerhafte Zusammenarbeit zwischen der Ortsgemeinde Winden und den Fachabteilungen der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Ems-Nassau hervor. Ein Projekt dieser Größenordnung sei nur möglich, wenn technische, rechtliche, planerische und finanzielle Fragen über Jahre hinweg gemeinsam bearbeitet würden. Bruchhäuser machte deutlich, dass diese Zusammenarbeit auch nach der Inbetriebnahme des Solarparks fortgesetzt werde. Künftig übernimmt die Finanzverwaltung der Verbandsgemeinde auch die buchhalterische Abrechnung des Anteils der Ortsgemeinde an der Freiflächen-Photovoltaikanlage. Für die Verbandsgemeinde sei der Solarpark daher nicht nur ein Projekt einer einzelnen Ortsgemeinde, sondern ein Vorhaben mit Bedeutung für die gesamte Region. Bruchhäuser betonte, dass man stolz darauf sein könne, mit dem Solarpark Winden ein solches Leuchtturmprojekt innerhalb der Verbandsgemeinde Bad Ems-Nassau zu haben.
Axel Menze von Süwag Grüne Energien stellte in seinem Beitrag besonders die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und regionalen Energieerzeugern heraus. Zukunftsweisend sei dabei gerade die Struktur, die in Winden geschaffen worden sei: ein Dreierbündnis aus Kommune, Bürgerenergiegenossenschaft und professionellem Energieunternehmen. Jeder Partner bringe dabei seine besonderen Stärken ein. Die Kommune schaffe örtliche Verankerung und Akzeptanz, die Genossenschaft ermögliche den Bürgerinnen und Bürgern eine direkte Beteiligung und Süwag Grüne Energien bringe das technische, wirtschaftliche und energiewirtschaftliche Know-how für Planung, Bau und Betrieb einer solchen Anlage ein. Dieses Modell sei für alle Beteiligten vorteilhaft und könne beispielgebend für weitere kommunale Energieprojekte sein.
Ein weiterer Schwerpunkt des Tages war deshalb folgerichtig die Bürgerbeteiligung. Inga Vergin, Vorständin der Bürgerenergiegenossenschaft pro regionale energie eG, erläuterte die Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, sich über die Genossenschaft an dem Windener Solarpark und damit unmittelbar an der regionalen Energiewende zu beteiligen. Die Beteiligung ermögliche es, dass nicht nur Strom regional erzeugt werde, sondern auch ein Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in der Region und bei den Menschen vor Ort verbleibe. Die Beteiligung von Kommune und Bürgerschaft war bereits in den frühen Planungen ein wesentliches Ziel des Projektes.
Einen besonderen Dank richtete Linscheid an Christoph Funk und Johannes Schardt von der SYNA beziehungsweise der Süwag-Gruppe. Beide hätten das Vorhaben über lange Zeit begleitet und auch dann gemeinsam mit der Gemeinde nach Lösungen gesucht, wenn technische, wirtschaftliche oder planerische Probleme aufgetreten seien. Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung sei es entscheidend, Ansprechpartner zu haben, die Verantwortung übernehmen und sich mit dem Projekt identifizieren.
Nach jahrelanger Planung, Bauleitverfahren, Umwelt- und Artenschutzprüfungen, Gutachten und Vertragsverhandlungen erfolgte im November 2025 der erste Spatenstich. Nach rund fünf Monaten Bauzeit konnte die Anlage im Juli 2026 in Betrieb genommen werden.
Für Ortsbürgermeister Gebhard Linscheid schloss sich beim Tag der offenen Tür damit ein Kreis. Noch 2022 sei der Ortsgemeinde sinngemäß vermittelt worden, dass eine Photovoltaikanlage auf dieser Fläche nicht möglich sei. Heute werde genau dort erneuerbarer Strom produziert. Dabei gehe es nicht darum, im Nachhinein Gewinner und Verlierer zu benennen. Vielmehr zeige die Entwicklung, dass Kommunalpolitik einen langen Atem brauche und dass es sich lohne, beim ersten Hindernis nicht aufzugeben, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Aus einer durch Klimawandel und Borkenkäfer zerstörten Waldfläche sei so ein Zukunftsprojekt für Winden entstanden, das Klimaschutz, Energiesicherheit, kommunale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung miteinander verbinde. Gleichzeitig bleibe die Verantwortung gegenüber dem Wald bestehen: Die Nutzung ist zeitlich begrenzt, anschließend soll auf der Fläche wieder Wald entstehen. „Aus einem Verlust ist eine Chance geworden“, fasste Linscheid die Entwicklung zusammen. Der Solarpark zeige, was auch eine kleine Ortsgemeinde erreichen könne, wenn Gemeinderat, Bürger, Politik, Verwaltung, Genossenschaft und Energieunternehmen gemeinsam an einem Ziel arbeiteten.
















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