{"id":9835,"date":"2020-09-02T14:38:16","date_gmt":"2020-09-02T12:38:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wir-in-winden.de\/?p=9835"},"modified":"2020-09-02T17:46:31","modified_gmt":"2020-09-02T15:46:31","slug":"mit-dem-roten-baron-nach-kloster-andechs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wir-in-winden.de\/?p=9835","title":{"rendered":"Mit dem &#8222;Roten Baron&#8220; nach Kloster Andechs"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.wir-in-winden.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Traktorfahrt-1024x497.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9836\" width=\"500\" height=\"243\" srcset=\"http:\/\/www.wir-in-winden.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Traktorfahrt-1024x497.jpg 1024w, http:\/\/www.wir-in-winden.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Traktorfahrt-300x146.jpg 300w, http:\/\/www.wir-in-winden.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Traktorfahrt-768x373.jpg 768w, http:\/\/www.wir-in-winden.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Traktorfahrt.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption><em>Michael Eifler mit seinem alten Dieselross. Foto: Privat<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Alles begann mit dem spontanen Kauf eines G\u00fcldner ABL 10; 24 PS; Baujahr 59, der sich in einem eher verlebten Zustand befand.\u00a0\u201eEigentlich brauche ich keinen Traktor, aber seit heute Morgen will ich einen haben\u201c, sagte sich eines Tages der Windener <strong>Michael Eifler<\/strong>. Lange suchen musste er nicht, denn auf einem Feld etwas au\u00dferhalb des Dorfes stand er, der G\u00fcldner. Eingewachsen in Dornen und Gestr\u00fcpp, fast wie das Dornr\u00f6schen-Schloss. Da man sich im Dorf kennt, war die Sache schnell erledigt, und der G\u00fcldner wechselte den Besitzer. Da stand der nun: verwittert, verrostet, vergessen, ein trauriger Anblick.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Restaurierung lief \u00fcber f\u00fcnf Monate und brachte das alte Dieselross wieder zu neuem Glanz. Der einst gr\u00fcne Schlepper wurde nun rot. Da Michael Eifler nicht \u201eirgendeinen\u201c Traktor haben wollte, hat der ABL einige pers\u00f6nliche Noten des Neubesitzers erhalten. So thront beispielsweise auf der Haube ein roter Doppeldecker, der dem G\u00fcldner seinen Namen gibt und dem \u201eRoten Baron\u201c den speziellen Look verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab jetzt machte Michael die Gegend mit seinem Baron unsicher. Ob nach Nassau zum Kartoffeln kaufen oder einfach nur zum Kaffee trinken, W\u00e4lder und Feldwege erkunden und durchs Dorf knattern. Aber irgendwie, so sagte er zu sich, war es das auf Dauer nicht, hier musste es doch noch mehr geben, dachte sich der stolze Traktorbesitzer.\u00a0Seinen Aktionsradius konnte Michael Eifler aber nur erweitern, wenn er eine Unterkunft dabei hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, ein Wohnwagen Marke Burggraf (Bj. 1980) wechselte den Besitzer. Klein ist er, aber es ist alles drin, was man braucht, wenn man auf Reisen geht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem seiner M\u00e4nnerabende mit Schwager Oli wurde bei einem Andechs-Weizen das Ziel bestimmt:  Kloster Andechs am Ammersee bei  M\u00fcnchen sollte es werden. Die Anreise soll \u00fcber die westliche Route erfolgen, die R\u00fcckkehr in die Heimat \u00fcber die \u00f6stliche Route. Und: Gefahren werden sollte ausschlie\u00dflich nur auf Landstra\u00dfen, durch D\u00f6rfer und  \u00fcber Feldwege. Viel vorbereiten mussten der Windener Traktorpilot nicht, Bier, Ravioli, Dosensuppe und eine Flasche \u201eLaphroaig 10\u201c, ein schottischer, rauchiger und verdammt torfiger Whiskey, kamen mit an Bord.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise begann. Die ersten Tage waren gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, mit den nur 15 km\/h musste der Windener erst einmal klarkommen. Irgendwann spielte die Geschwindigkeit aber nur noch untergeordnete Rolle, denn Michael Eifler gewann ein Auge f\u00fcr die Umgebung, und die Entschleunigung begann zu wirken.\u00a0\u201eEs ist kein Problem, acht Stunden auf dem Bock zu sitzen, man sieht so viel was einem sonst gar nicht auff\u00e4llt\u201c, sagt Michael Eifler. Die Reise wurde angenehm. \u201eIch fahre einfach, bis ich keine Lust mehr habe&#8220;, erz\u00e4hlt er. Abends kehrte er meist irgendwo ein und lie\u00df es sich bei Bier und guter K\u00fcche gut gehen. Auch die N\u00e4chte im Burggraf waren unerwartet gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die t\u00e4gliche \u201eBerichterstattung\u201c via WhatsApp-Status wurde in Winden mittlerweile bereits erwartet. Jeden Abend Punkt 19.30 Uhr sa\u00dfen Freunde, Familie und Bekannte vor dem Handy und warteten auf neue Bilder des Reisenden. Das Interesse war unerwartet hoch &#8211; und genau das macht dem G\u00fcldner-Piloten nat\u00fcrlich noch mehr Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast \u00fcberall wurde der Traktor-Reisende mehr als freundlich empfangen. Ihm wurde zugewinkt, und die Kinder freuten sich \u00fcber das urige Gespann, das dank eines quitsch-orangenen Sonnenschirms \u00fcber dem Fahrer sofort ins Auge stach. \u201eWenn ich f\u00fcr jedes L\u00e4cheln einen Euro bekommen h\u00e4tte, dann, naja dann h\u00e4tte ich halt verdammt viele Euros\u201c, grinst Michael.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was waren Michael Eiflers pers\u00f6nlichen Highlights?<\/p>\n\n\n\n<p>Seine knappe Antwort: Alles. &#8222;Die gesamte Reise war eine Fahrt voller \u00dcberraschungen. Hinter jeder Kurve wartet etwas Neues. Ein begeisterter Bauer, der einem mit seinem Hightech Traktor mit aufs riesige\u00a0 Kartoffelfeld nimmt, ein Reisebus-Fahrer, der einen auf den \u201ebesten\u201c Parkplatz lotst, die \u00f6rtliche Presse, die sich freut, einen kleinen Bericht zu schreiben, Jugendliche, die unbedingt ein Foto mit dem Roten Baron und ihrem Mofa haben wollen, und Kinder, die auf dem Trecker rumklettern.&#8220; Michael Eifler wurde auch h\u00e4ufiger gefragt, warum er so etwas &#8222;Verr\u00fccktes&#8220; eigentlich macht. Dabei merkten die Fragesteller schon oft, dass es eigentlich auch ihr Traum w\u00e4re. Michael Eifler sagt denn auch klar: \u201eIch habe keinen Tag bereut!\u201c\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Am Kloster Andechs angekommen, stellte Michael Eifler recht schnell fest, dass er hier nicht lange bleiben muss. Ein Nachmittag mit Essen und Trinken sowie die Nacht auf dem riesigen, staubigen Parkplatz reichten aus. Die Heimreise begann. Unterhalb von M\u00fcnchen ging es zur s\u00fcdlichsten Spitze in Bad T\u00f6lz und dann \u00fcber die \u00f6stliche Route in Richtung Westerwald. Die Heimreise gestaltet sich genau so angenehm wie der Hinweg. Allerdings fuhr Michael Eifler nun etwas l\u00e4nger am Tag, da die Heimat rief. Zur\u00fcck im heimischen Winden warteten am ersten Haus im Dorf bereits Familie und Freunde, um den Reisenden unter Jubel zu empfangen. Besonders dankt Eifler Olaf und Tanja. <\/p>\n\n\n\n<p>Sein Fazit lautet: &#8222;Deutschland ist verdammt sch\u00f6n, und in jede Richtung eine Reise wert. Abseits der gro\u00dfen St\u00e4dte tut sich hinter jeder Kurve ein neues Idyll auf und l\u00e4dt zum Verweilen ein.&#8220; Im \u00dcbrigen haben der alte G\u00fcldner, der Burggraf und auch der alte Fahrer die Reise pannenfrei \u00fcberstanden. \u201eMir hat es so gut gefallen, dass ich n\u00e4chstes Jahr wieder los will\u201c, sagt Eifler. Und wo geht es diesmal hin? Seine Antwort: \u201eSchottland! Ich muss Whiskey kaufen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann mit dem spontanen Kauf eines G\u00fcldner ABL 10; 24 PS; Baujahr 59, der sich in einem eher verlebten Zustand befand.\u00a0\u201eEigentlich brauche ich keinen Traktor, aber seit heute Morgen will ich einen haben\u201c, sagte sich eines Tages der Windener Michael Eifler. 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